Presse-Erklärung zu Asserbaidschan und Armenien

Die Hintergründe des Krieges zwischen Aserbaidschan und Armenien sind vielen Menschen völlig unbekannt. Deshalb haben wir die Ursachen in einer kurzen Pressemitteilung zusammengefasst und möchten Sie bitten, diese abzudrucken:

Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um Bergkarabach

Es wird immer wieder behauptet, Bergkarabach gehöre völkerrechtlich zu Aserbaidschan. Das stimmt nur auf den ersten Blick, auf den zweiten Blick ist die Lage komplizierter. Das zeigt ein Rückblick auf die Geschichte des Südkaukasus.
1805 wurde das muslimische Khanat Karabach russisches Protektorat und nach dem Ende des letzten Russisch-Persischen Krieges (1826–1828) siedelten Zehntausende persische Armenier ins heutige Bergkarabach. Im Zuge des Genozids des Osmanischen Reichs ab 1915 flohen Hunderttausende Armenierinnen und Armenier in den Südkaukasus.
1921 überschrieb Stalin gegen jedes Völkerrecht und gegen den erklärten Willen der Bevölkerung vor Ort Bergkarabach an Aserbaidschan: Die geographische Region Bergkarabach erhielt den Status als Autonome Oblast Bergkarabach.
Nach einem Sieg Armeniens über Aserbaidschan nahm Bergkarabach 1991 sein völkerrechtlich verbrieftes Recht auf Selbstbestimmung wahr und erklärte seine Unabhängigkeit, die durch ein Referendum mit großer Mehrheit bestätigt wurde. Allerdings erkennt das kein souveränes Land der Welt an.
Auf beiden Seiten haben sich moderne kapitalistische Nationalstaaten gebildet, die jeweils für sich homogen sein wollen, hier slawisch-orthodox und dort türkischmuslimisch. Das nationalistische Denken ist tief verankert und hat die Region traumatisiert.
Die Kräfteverhältnisse haben sich seitdem verschoben. Armenien ist arm und militärisch schwach und hat keine großen Unterstützer. Aserbaidschan ist durch Erdöl reich geworden und hat massiv aufgerüstet. Größte Waffenlieferanten sind Russland und Israel, Hauptverbündeter ist die Türkei, das „Brudervolk“, das auch von Deutschland mit Waffen versorgt wird. Der Völkermord an den Armeniern soll
vollendet werden.
Da müssten bei uns doch alle Alarmglocken läuten. Aber wo bleibt der Aufschrei unserer Politiker?
Der Konflikt um Bergkarabach ist doch viel bedrohlicher als die Suche türkischer Schiffe nach Gasvorkommen bei griechischen Inseln, wovon wir so viel hören.
Den Versuch, die Kämpfe im Südkaukasus zu beenden, überlassen wir den Russen, den angeblichen Verursachern alles Bösen. Dabei hat Deutschland ja z. Zt. den Vorsitz im EU-Rat und ist im Weltsicherheitsrat vertreten.
Vorschläge für eine friedliche Einigung gibt es ja schon, z.B. einen Gebietsaustausch.

Dr. Hans-Ulrich Hofmann für das Fürther Friedensforum